STARTUP DNA
Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern. So der Untertitel des Buches. Klingt im ersten Moment etwas überheblich. Aber je länger man liest, desto bodenständiger wirkt Thelen und desto mehr nehme ich persönlich aus dem Buch mit. Nicht nur für Gründer und für Fans von „Die Höhle des Löwen“, sondern für alle die neugierig in die Zukunft sehen ist das Buch eine absolute Leseempfehlung.
1. KURZE SUMMARY
Beim Thema „hinfallen“ kennt Frank Thelen sich aus. Zum einen durchs skateboarden (er schafft es bei fast allen Ereignissen eine Parallele zum skaten zu finden) aber auch geschäftlich. Mit 25 Jahren hat er 1 Millionen DM Schulden nachdem er in den 90ern den Hype im Neuen Markt mitgemacht hat und im Jahr 2000 verdammt tief gefallen ist.
Merke: Persönliche Bürgschaften sind selten eine gute Idee 😉
Als Gründer wurde mir ganz mulmig bei dem Kapitel im Buch Startup DNA. Nach einem Jahr bei den Eltern und der Abwendung der Privatinsolvenz ging es ans „aufstehen“. Er baut ip.labs ,die erste Software zur Erstellung von Fotobüchern etc., auf und verkauft das Unternehmen 2008 an Fuji und macht selbiges mit Wunderlist 2015 an Microsoft. Sein Einstieg bei Wunderlist (eine digitale to-do-Liste) war übrigens unter anderem getrieben durch seinen Wunsch die Managementmethode „Getting Things Done“ von David Allen in seinen Alltag zu integrieren.
In 21 Kapiteln schlägt Frank Thelen den Bogen von seinen Anfängen über die Höhle des Löwen (auch hier sehr lustige und interessante Geschichten) bis hin zum Baukasten der Zukunft und der künstlichen Intelligenz. Drei der interessantesten Denkanstöße aus dem Buch habe ich hier mal zusammengefasst:
2. Interessante Denkanstöße
DISRUPTION
Was ist Disruption überhaupt? An einem Beispiel erklärt:
Die Entwicklung von VHS-Kassetten zu DVD = keine Disruption (die Leute sind immer noch in die Videothek gelaufen) Die Entwicklung von der DVD zum Streaming = Disruption (hier hat sich der Markt komplett geändert und wer das nicht verstanden hat, ist sehr schnell von der Bildfläche verschwunden)
Gefühlt ist heutzutage alles disruptiv. Das hat zum Einen damit zu tun, dass der Begriff sich cool anhört und deshalb gerne von allen möglichen Leuten verwendet wird. Aber es ist auch wirklich so, dass sich heutzutage disruptive Vorgänge sehr viel schneller vollziehen als früher. Beim Buchdruck und dem Wechsel von der Kutsche zum Automobil hatten die Menschen Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte Zeit sich daran zu gewöhnen.
Heutzutage ist die Taktung um einiges schneller: Im Jahr 2000 haben alle auf den Nokiageräten „Snake“ gespielt, 2007 kam das erste iPhone und heutzutage ist es normal, dass das Telefon unser Gesicht erkennt. Unglaublich was in grade mal 20 Jahren passiert ist. Aber wir können davon ausgehen, dass diese Entwicklungsstufen zukünftig noch sehr viel schneller erfolgen.
Wer mit den Begriffen VHS und Nokia nichts anfangen kann: Ihr habt echt was verpasst. Auch wenn Ihr Euch heute nicht mehr über die Strafe ärgern müsst wenn der Film bei der Rückgabe nicht zurückgespult war. Spul…was? Ach egal, lassen wir das 😉
Die nächsten Disruptionen? Vielleicht das autonome Fahren? Spracherkennungssysteme die Menschen besser verstehen als wir selbst? Es wird sich zeigen, aber Thelen legt viel Wert darauf, dass es wichtig ist diese Entwicklung nicht als Gefahr sondern als Chance wahrzunehmen.
Wird es in 20 Jahren noch Taxifahrer oder LKW-Fahrer geben? Nein, wahrscheinlich nicht. Menschen an der Supermarktkasse? Nein, wohl schon in 10 Jahren nicht mehr. Pflegekräfte in Altenheime? Ja, auf jeden Fall und hier haben wir in Deutschland auch eine echte Versorgungslücke die alleine durch Digitalisierung nicht geschlossen werden kann. Das sind Bereiche wo wir immer Menschen brauchen werden.
Berufliche Flexibilität wird sehr viele Menschen betreffen. Für die Nachkriegsgeneration noch unvorstellbar so wird es für unsere Kinder vollkommen normal sein, mehrmals im beruflichen Leben seinen Fokus zu wechseln. Wo dazwischen stehst Du?
BAUKASTEN DER ZUKUNFT
Sehr spannend finde ich auch den Baukasten der Zukunft (siehe Bild) den Frank Thelen in Startup DNA entworfen hat. Im oberen Feld sind Basis-Technologien, die bereits jetzt in unserem Alltag Einzug erhalten haben bzw. gerade dabei sind. Thelen beschreibt die Bereiche einzeln und erklärt sie recht gut mit Beispielen.
3D-Druck, Virtual Reality, Internet of Things und all die anderen Technologien werden unser Leben so nachhaltig und in so kurzer Zeit verändern, dass es einem schwindlig werden kann. Da ich selber im Bereich Virtual Reality tätig bin, kann ich das nur bestätigen. Allein innerhalb des letzten Jahres war der Sprung in diesem Bereich riesig (Stichwort stand-alone-VR-Brillen und 8k-Inhalte). In all den Bereichen kann ich Euch nur ermutigen: Seid offen und probiert Sachen aus!
Macht eine Probefahrt im Tesla, setzt eine VR-Brille auf oder fangt an Eure Heizung zu Hause mit einer App zu steuern. Ob Thelen mit seiner Vision richtig liegt, vor allem bei den Punkten Gene Editing und Singularität, gilt es abzuwarten. Aber eines ist sicher:
So extrem wie in den nächsten 10-20 Jahren hat sich die Welt noch nie in solch kurzer Zeit verändert.
STEHEN WIR UNS SELBST IM WEG?
Als letzten Denkanstoß zitiere ich einen Satz aus dem Buch Startup DNA und überlasse Dir die Einordnung:
„China fördert künstliche Intelligenz mit Milliardenprogrammen – und wir sitzen da und müssen Hinweise zu Cookies händisch wegklicken.“
3. Persönliches Fazit
Nicht nur für Gründer, aber für die erst recht, ist das Buch Startup DNA wirklich lesenswert. Es ist kurzweilig, lustig und authentisch geschrieben und vermittelt vielschichtige und gut erklärte Informationen (z.B. den Unterschied zwischen Bitcoin und Kryptowährung).
Gut fand ich auch die kurzen Erklärungen von wichtigen Begriffen (z.B. Java, ASO, ERP,UI) an den Seitenrändern. Ein lustiges Beispiel: GEEK: Als „Geek“ bezeichnet man einen Menschen, der sich intensiv mit Mathematik, Technik und Computern beschäftigt und meist eher schwach ausgeprägte soziale Fähigkeiten besitzt. Nicht zu verwechseln mit dem Nerd: Ein Nerd ist ein Geek ohne Freundin.
Aber auch die Erzählungen aus der Höhle des Löwen sind sehr interessant und unterhaltsam. Rundum: Durchaus empfehlenswert und ich denke, so gut wie jeder kann etwas aus diesem Buch mitnehmen. Oder wusstest Du, dass eine Bitcoin-Transaktion soviel Strom verbraucht wie ein europäischer Haushalt in einem Monat?
Und um zurückzukommen auf den letzten Punkt des Untertitels: Die Welt verändern? Klingt krass, aber Frank Thelen hat es auf seine Art und Weise geschafft und wir können uns an ihm wirklich ein Beispiel nehmen in den Bemühungen Deutschland und Europa als starken Standort zu erhalten und Technologien neugierig und mutig voranzutreiben.
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Dennis Fischer studierte „International Management“ in Reutlingen und Reims, Frankreich. Nach drei Stationen in Start-ups in Berlin und München, hat er vor zwei Jahren den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Heute arbeitet er als Business-Coach, Speaker und Innovationsberater.
Schon seit seinem 16. Lebensjahr liest er leidenschaftlich gerne Business-Ratgeber und besucht sämtliche verfügbaren Kurse im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2016 liest er jede Woche einen Ratgeber und stellt die spannendsten Denkanstöße daraus auf seinem Blog www.52ways.de und in seinem Podcast vor.
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