Schwarmdumm

Schwarmdumm

Das unten abgebildete Buchcover zeigt dir auf einen Blick, warum man nicht immer der Masse folgen sollte.
Diese Woche habe ich Gunther Duecks Buch Schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam von 2014 gelesen und für dich drei sehr spannende Denkanstöße herausgesucht.

Du lernst unter anderem, was die Warteschlangenformel ist und warum eine 100%-ige Auslastung Gift sein kann.
Außerdem erfährst du, wie du oftmals durch sogenannte Mesakommunikation gezielt an der Nase herum geführt wirst und warum du nur Menschen einstellen solltest, die besser sind als du!

Lass dich inspirieren!

 

Kurze Summary von Schwarmdumm

Schwarmdumm - Buchcover Der ehemalige CTO von IBM Deutschland, Gunther Dueck, bezeichnet sich selbst als Autor satirisch-philosophischer Sachbücher. Er schreibt über das Leben, die Menschen und die Manager.
Sein Buch „Schwarmdumm“ kann man vermutlich am besten mit dem Satz „Viele Köche verderben den Brei“ zusammenfassen.

Nicht weil er viele Co-Autoren hatte, sondern weil er hierin scharf die Auswüchse unserer heutigen Konzernwelt attackiert. Er vertritt die Meinung, dass der einzelne oftmals deutlich bessere Entscheidungen treffen würde als der gesamte „Schwarm“.

Egal ob sinnlose Meetings, Zeit- und Zahlendruck, Kontrolle und Statusreports, komplizierte Abläufe, Priorisierung nach Dringlichkeit und nicht nach Wichtigkeit und ständige Umorganisation. Dueck hat alles selbst schon erlebt und präsentiert viele praxisnahe Beispiele zur Verdeutlichung der Probleme.

Dabei beschreibt er die komplette Abwärtsspirale, die viele der großen Unternehmen früher oder später ereilen wird, sobald die Geschäfte schlechter laufen.

Zum Beginn einer Krise greift die sogenannte „Systemic Underdelegation“, wenn die Arbeit knapp ist, verteilt sie sich nach oben.

Kein Teamleiter will sich in der Krise nachsagen lassen entspannt darüber nachzudenken, wie er dem Unternehmen und seinem Team wieder mehr Aufträge verschaffen kann. Obwohl doch genau das seine Aufgabe wäre.
Stattdessen reißt er die Arbeit seiner Mitarbeiter an sich, um gegenüber seinem Chef sagen zu können, dass er trotz Krise völlig überlastet sei.

Seine Mitarbeiter hätten allerdings nicht alle immer 100% Auslastung, da könnte man evtl. durchaus den einen oder anderen „wegrationalisieren“.

So zieht sich das über mehrere Hierarchieebenen. Jeder, der seiner Führungsaufgabe nachkommen sollte und sich wirklich Gedanken über die Zukunft, Innovationen und neue Aufträge macht, wird als Faulenzer bezeichnet.

Sobald es schlechter läuft, mutieren laut Dueck die sogenannten Book Smarts (gut ausgebildet, vernünftig, belesen) zu sogenannten Street Smarts (gute Anpassungsfähigkeit, Instinkt, Clever und Fokus auf die nächste Möglichkeit). Die erste Gruppe macht sich Gedanken, wie die Welt in Zukunft sein könnte und zweitere nimmt sie einfach so, wie sie ist.

Es werden also die Überlebenstriebe jedes einzelnen geweckt, was langfristig zu einer Abwärtsspirale führen wird.

Ganz am Ende des Buches Schwarmdumm geht der Autor noch kurz auf mögliche Lösungen ein, bleibt hierbei jedoch relativ vage.
Amüsant finde ich, dass er als Lösung auf das Buch „The Tipping Point“ von Malcolm Gladwell verweist. Dieses enthalte viele spannende Lösungsansätze, was ich dir aber erst bestätigen kann, wenn ich das Buch in den nächsten Wochen selbst gelesen habe.

Tipping Point: Wie kleine Dinge Großes bewirken können
4 Bewertungen
Tipping Point: Wie kleine Dinge Großes bewirken können
  • Malcolm Gladwell
  • Herausgeber: Goldmann Verlag
  • Taschenbuch: 320 Seiten

Eine andere Lösungsidee finde ich tatsächlich sehr spannend. Und zwar plädiert Dueck dafür Mitarbeiter wie Freiwillige in einer Organisation zu führen.
Wenn Geld kein Motivationsmittel mehr darstellt, müssen die Führungskräfte etwas Neues finden um ihre Mitarbeiter zu incentivieren und für ihre Arbeit zu begeistern.

In dieser Welt käme jeder gerne zur Arbeit und es bedürfe keiner Zeiterfassung mehr, weil jeder so viel Zeit investiert wie er möchte. Eben genau wie einem Verein Freiwilliger!

 

Drei Interessante Denkanstöße aus „Schwarmdumm“

Warteschlangenformel

Dueck beschreibt in seinem Buch Schwarmdumm ausführlich die „Warteschlangentheorie“, welche den mathematischen Zusammenhang zwischen Arbeitsdichte und dem Stau, der durch die Arbeitsdichte entsteht, erklärt.
Was heißt das konkret?

Stelle dir eine Supermarktkasse vor, bei der die Kassiererin über den Tag verteilt zu 80% ausgelastet ist. Das heißt sie sitzt ca. 20% ihrer Zeit an der Kasse und hat nichts zu tun (bei Aldi ist das vielleicht etwas anders).
Dafür müssen allerdings auch nie mehr als 5 Kunden gleichzeitig in der Schlange warten.

Der Leiter des Supermarktes ist allerdings gar nicht zufrieden, da er nur die 20% der Zeit (also knapp 1,5 Stunden bei einem 8-Stunden-Tag) sieht, in denen die Kassiererin unproduktiv ist. Also schaltet er eifrig Werbeanzeigen und lockt die Kunden mit Sonderangeboten in den Supermarkt.

Er hat dabei jedoch leider vergessen, dass diese nicht brav gleichmäßig über den Tag verteilt einkaufen gehen. Das führt dazu, dass die Kassiererin deutlich weniger Leerlaufzeiten hat, aber dafür viel höhere Spitzen in denen bis zu 15 Kunden gleichzeitig in der Schlange stehen. Diese sind natürlich schlechter gelaunt als früher aufgrund der hohen Wartezeiten.

Auf die mathematische Formel werde ich an dieser Stelle nicht genauer eingehen, aber falls du BWL studiert hast und meinst alle Kapazitäten bis zum letzten Optimum ausreizen zu wollen, erinnere dich ab und zu an die Warteschlangenformel und lies dieses Buch!

 

First class hires first class, second class hires third class

Auf deutsch: A-Mitarbeiter stellen A-Mitarbeiter ein! B-Mitarbeiter stellen C-Mitarbeiter ein. Warum ist das das so?
Ein B-Mitarbeiter versucht laut Dueck nie der allerbeste zu sein. Er versucht immer nur etwas besser als die anderen in seinem Gebiet zu sein um nicht zu verlieren.

Gleichzeitig hat er Angst vor fachlich besseren Kollegen, weshalb er eher Personen einstellen wird, die minimal schlechter sind als er.

Ein A-Mitarbeiter hingegen denkt absolut: Er will der Beste werden. Und er weiß, dass er dieses Ziel nur erreichen kann, wenn er sich mit Menschen umgibt, die noch besser sind als er.
Aus diesem Grund wird er Personen einstellen, die in bestimmten Gebieten deutlich besser sind als er selbst.

Schwarmdumm - Gunter Dueck

Foto: Michael Herdlein

Mesa- und Metakommunikation

Meta ist griechisch und bedeutet „über“ oder „darüber hinaus“. Metakommunikation ist also übergeordnet und kann auch als das „Kommunizieren über die Kommunikation“ bezeichnet werden.

Ein Beispiel hierfür ist, wenn du dich wieder einmal mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber streitest, wer von euch beiden das Bad putzen soll. In dieser Situation könnt ihr euch entweder gegenseitig eure Argumente an den Kopf werfen oder euch eine Ebene höher (Meta) wieder treffen. Dort könnt ihr dann darüber sprechen, warum dieses Thema immer wieder zu Konflikten führt und welche Lösungen es hierfür langfristig gibt.

Gunther Dueck hat sich jetzt aber im Buch Schwarmdumm die Frage gestellt, ob es nicht eine Form der Kommunikation gibt, die sich lokal und eng jeglichem Meta-Ansatz verschließt. Bei seiner Recherche ist er über folgenden Artikel gestolpert: http://www.gwiznlp.com/wp-content/uploads/2014/08/Whats-the-opposite-of-meta.pdf

Der Autor prägt das Wort „Mesa“, was auf Deutsch „drinnen“ bedeutet. Diese Art der Kommunikation kann entweder dadurch kommen, dass jemand nicht fähig ist auf einer höheren, abstrakteren Ebene zu kommunizieren.
Es kann aber auch taktisch eingesetzt werden, wenn zum Beispiel wieder einmal ein sexuelles Vergehen eines Priesters bekannt wird und die Kirche dann von einem bedauerlichen Einzelfall spricht, den man aufklären müsse.

Dieser Trick wird immer wieder versucht anzuwenden, egal ob bei der NSA- oder der VW-Affäre.
Achte in Zukunft mal auf diese beiden Ebenen der Kommunikation!

 

Fazit

Gunther Dueck hat seinen Titel als Querdenker definitiv verdient. Er wirft im Laufe des Buches immer wieder kontroverse Fragen auf, die zum Nachdenken anregen. Dabei möchte er gar nicht als Allwissender alle diese Fragen beantworten, was zum einen sympathisch ist, zum anderen jedoch einen kleinen Wermutstropfen am Ende des Buches hinterlässt.

Ich persönlich bin ein großer Fan davon, Probleme zu identifizieren und zu benennen. Noch lieber habe ich jedoch die Lösungen oder zumindest Lösungsvorschläge für diese Probleme. Und diese kommen im Buch tatsächlich etwas zu kurz.

Aber es gelingt dem Autor ohne Zweifel dem Leser einen Spiegel vorzuhalten und nachdem ich diesen Blogartikel mit einem bekannten Spruch begonnen habe, möchte ich ihn mit einem anderen beenden, der die Auswirkungen des Buches gut zusammenfasst:

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Falls du nicht direkt mit dem Lesen von Schwarmdumm starten möchtest, schau dir gerne erstmal seine inspirierenden Reden an: https://www.omnisophie.com/linksammlung-von-reden-und-artikeln/

Viel Spaß beim Lesen

Dennis

Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam
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Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam
  • Gunter Dueck
  • Herausgeber: Goldmann Verlag
  • Taschenbuch: 368 Seiten

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