Schnelles Denken, langsames Denken
Der Weltbestseller „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann steht schon lange auf meiner Liste. Es ist definitiv kein Buch, das du in einer Woche liest, aber eines, das du im Leben gelesen haben solltest.
Kahnemann gelingt es, mit Hilfe unzähliger Beispiele, Entscheidungsfindungsprozesse in unserem Gehirn einfach und verständlich darzustellen.
Du lernst heute an einem praktischen Beispiel, wie deine zwei Systeme im Gehirn funktionieren. Außerdem zeige ich dir, warum lange und schwache Schmerzen besser sind, als kurze und starke.
Lass dich inspirieren
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1) Kurze Summary
Der Autor Daniel Kahnemann hat nicht umsonst als Psychologe den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten. Mit seiner Forschung hat er aufgezeigt, wie wir Entscheidungen treffen, welchen mentalen Mustern wir dabei folgen und wie wir uns gegen Fehlentscheidungen wappnen können.
Schnelles Denken, langsames Denken könnte man also durchaus als den Vater von Rolf Dobellis Büchern bezeichnen.
Kahnemann stellt in seinem Buch schnelles Denken, langsames Denken 2 Systeme vor, die uns bei unserer Entscheidungsfindung unterstützen.
Das erste System nennt er der Einfachheit halber: System 1
Es trifft impulsiv, automatisch und intuitiv Entscheidungen. Es war evolutionär extrem wichtig, um in Notsituationen schnell reagieren zu können und damit das eigene Überleben zu sichern.
Das System 2 handelt eher analytisch, rational und bewusst. Es hilft beim Reflektieren, bei der gezielten Fokussierung auf ein Thema und hilft uns, alles andere um uns herum ausblenden zu können.
Je nach Situation gewinnt eines der beiden Systeme die Oberhand und unterstützt uns bei der Entscheidungsfindung. Genaue Beispiele für beide Systeme findest du gleich im ersten Denkanstoß.
Die Quintessenz des Buches ist, dass wir deutlich weniger rational handeln, als wir es immer behaupten. Der Mensch ist ein sehr emotionales Wesen und viele Entscheidungen werden aus dem Bauch heraus gefällt.
Dabei unterlaufen uns häufig auch Fehler, weil wir zu viel Vertrauen in die Abkürzungen haben, die unser Gehirn uns vorschlägt. Wir sollten also beginnen unsere eigenen Annahmen kritischer zu hinterfragen!
2) Interessante Denkanstöße
Schläger-Ball-Problem
Um dir den Unterschied zwischen deinen zwei Systemen im Gehirn zu verdeutlichen, will ich dir zwei Aufgaben geben, die Kahnemann in seinem Buch vorstellt.
1) Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro. Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball?
Und? Hast du auch spontan 0,10 Euro im Kopf gehabt? Das war dein System 1, das oben beschriebene intuitive und impulsive. Problem ist nur, dass dieses System nicht immer richtig liegt. Die korrekte Antwort wäre nämlich 0,05 Euro gewesen.
Um das herauszufinden, musst du nun aber dein System 2 anwerfen und nochmal in Ruhe nachrechen: Wenn der Ball 0,10 Euro kosten würde und der Schläger einen Euro mehr als der Ball. Dann würde der Schläger 1,10 Euro kosten. Zusammen würden sie also für 1,20 Euro über die Ladentheke gehen. Der Ball muss also 0,05 Euro kosten, richtig?
Jetzt zur zweiten Frage:
2) Was ist 17×24?
Wenn du nicht gerade ein mathematisches Wunderkind bist, hat dein System 1 hier vermutlich keine direkte Antwort parat. Du springst sofort in dein System 2 und beginnst zu rechnen: 10×24=240 …..
Die Lösung kannst du gerne im Taschenrechner nachrechnen. Aber das System ist klar geworden, oder?
Peak-End-Rule
Die Peak-End-Regel fand ich auch sehr spannend und möchte sie dir kurz vorstellen. Dabei geht es um zwei Selbst-Zustände. Einerseits unser erlebendes Selbst, das jetzt im Moment diesen Text liest und unser erinnerndes Selbst, das sich überlegt, was ich gestern zu Mittag gegessen habe.
Kahnemann beschreibt in schnelles Denken, langsames Denken ein Experiment, das bei einer Darmspiegelung durchgeführt wurde. Es gab zwei Gruppen von Teilnehmern. Bei beiden wurde der Prozess etwas schmerzhafter als normal gestaltet. Die eine Gruppe wurde deutlich länger untersucht als normal, dafür mit einem nur leicht höheren Schmerz, der konstant blieb.
Die zweite Gruppe wurde nur kurz untersucht, dafür wurden den Teilnehmern aber gegen Ende der Untersuchung starke Schmerzen zugefügt.
Im Moment der Untersuchung fand das erlebende Selbst der ersten Gruppe den Prozess deutlich unangenehmer. Ganz einfach, weil er so lange gedauert hat und die Schmerzen nicht abflachten.
Die zweite Gruppe war (zumindest bis zum kurzen Anstieg der Schmerzen) entspannt.
Eine Woche später befragt hatte sich nun aber das erinnernde Selbst durchgesetzt. Dieses vergisst die Dauer, merkt sich dafür aber die Heftigkeit des Schmerzes. Die zweite Gruppe, welcher am Ende starke Schmerzen zugefügt wurden, beurteilte den Eingriff im Nachhinein als wesentlich heftiger und unangenehmer als die erste Gruppe.
Wir lernen also: Der Erinnerung ist die Dauer von Ereignissen egal. Wichtiger ist die Intensität!
Experten können die Zukunft nicht vorhersagen
Das Buch schnelles Denken, langsames Denken liefert eine Bestätigung für etwas, das ich mir schon lange gedacht habe: Dartpfeile werfende Affen können die Zukunft besser vorhersagen als Experten im jeweiligen Themengebiet.
Der Autor bezieht sich auf die Forschungen von Philip Tetlock, der übrigens auch ein eigenes Buch zu diesem Thema geschrieben hat: Superforecasting – Die Kunst der richtigen Prognose
Er hat 20 Jahre lang Prognosen von Experten ausgewertet. Insgesamt waren das 82.000 Fälle. Diese hat er mit einer Kontrollgruppe aus 20.000 Amateuren verglichen. Vorteil dieser Amateure: Ihnen wurden vorab die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung vermittelt. Da sie in den Themen völlig unbefangen waren, gelangen ihn um 30% treffsichere Prognosen als den Experten.
Experten mögen die Vergangenheit perfekt verstehen, aber es ist eine Illusion zu glauben, deshalb auch die Zukunft besser vorhersagen zu können. Dafür ist unsere Welt heute zu komplex!
3) Fazit
Wie oben bereits erwähnt, liest du dieses Buch nicht in einer Woche, aber das sollte auch nicht das Ziel sein.
Schnelles Denken, langsames Denken ist ein tolles Buch, um immer mal wieder ein Kapitel daraus zu verschlingen und sich dann in Ruhe Gedanken darüber zu machen. Ist es ein Ratgeber, der dich persönlich weiterbringt?
Ja, ich finde schon.
Du lernst extrem viel über deine eigenen Entscheidungsprozesse und Denkfehler und wirst in Zukunft deine sogenannten „Bauchentscheidungen“ vielleicht etwas häufiger hinterfragen.
Insgesamt ist es auf jeden Fall schwieriger zu lesen, als Rolf Dobelli, aber definitiv eine Empfehlung.
Viel Spaß beim Lesen!
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