Der Klügere denkt nach

Der Klügere denkt nach

Hast du mal darüber nachgedacht, warum Rednerkurse für Stille der Renner sind – während kein Dauerredner es für nötig hält, einen Kurs im Zuhören zu buchen? Meine heutige Buchempfehlung von Martin Wehrle heißt „Der Klügere denkt nach“ und ist genau für diejenigen geschrieben, die sich als das Gegenteil von einem Dauerredner bezeichnen würden.

Wenn du also wissen möchtest, wie du auch ohne ständige Selbstdarstellung und Dampfgeplauder im beruflichen und im privaten Leben erfolgreich sein kannst, haben mein heutiger Newsletter und natürlich das Buch jede Menge spannende Tipps für dich.

Viel Spaß beim inspirieren lassen.

 

1) Kurze Summary

Wir leben in einer Lärmgesellschaft. Wer sich nicht ständig in den sozialen Medien oder in Meetings anpreist und jede Menge jubelnder Freunde um sich versammelt, fühlt sich im Abseits. Zu dieser Art von Castinggesellschaft haben nach Meinung des Autors vor allem zwei Faktoren beigetragen:

Zum einen gibt es heute nicht mehr die „Anti-Schwätzer-Kontrolle“, die es früher in kleinen Dörfern gab. Wenn hier ein Bauer immer nur geprahlt hat, wie dick seine Kartoffeln sind, dann bei der Ernte aber nur wallnussgroße Knollen aus dem Boden zog, sprach sich das schnell herum. Heute leben wir meist in großen anonymen Städten und, da kann es durchaus auch als Verteidigungsminister gelingen geheim zu halten, dass man seine Doktorarbeit gar nicht selber geschrieben hat….

Der andere Faktor, warum die „Maulhelden“ heute leichter Karriere machen können, ist, dass wir eben keine Kartoffeln mehr anbauen, sondern überwiegend Wissensarbeiter sind. Wenn wir 4 Wochen nach einer Aussage merken, dass sie nicht zutreffend war, behaupten wir das Gegenteil und versichern unserem Gegenüber möglichst glaubhaft, dass er das falsch verstanden habe.

Der Klügere denkt nach - Cover

Das Ganze beginnt schon in den Schulen, wo es Noten für mündliche Mitarbeit gibt und dadurch diejenigen benachteiligt werden, die zwar immer gute Klassenarbeiten schreiben, aber sich nicht trauen im Unterricht den Mund aufzumachen.

Der Autor führt oben genannte Punkte noch weiter aus und ergänzt sie mit einem kurzen Fragebogen, wo du herausfinden kannst ob du introvertiert und/oder hochsensibel bist. Ob das wirklich mit Hilfe solch eines kurzen Fragebogens herausgefunden werden kann, sei dahingestellt, aber es gibt sicherlich eine Indikation.

Im Anschluss geht er in 5 verschiedenen Kapiteln auf typische Situationen ein, in denen Schüchterne den Kürzeren ziehen: Bewerbungsgespräche, Meetings, Reden, Flirten und Smalltalk. Das Buch rundet er mit einem „Anti-Schwätzer-Training“ ab, das du direkt bearbeiten kannst um somit deine Schlagfertigkeit zu trainieren.

 

2) Interessante Denkanstöße aus „Der Klügere denkt nach“

 

Reporter-Methode

Hast du auch die Schnauze voll von diesen langweiligen Smalltalks bei denen man Banalitäten über das Wetter und den gestrigen Champions League Abend austauscht?

Wehrle empfiehlt hier die Reporter-Methode auszuprobieren. Stell dir also vor, du bist Fernsehreporter und hinter dir steht der Kameramann. Jetzt möchtest du deinen Zuschauern natürlich etwas wirklich Unterhaltsames bieten. Dabei hast du drei verschiedene Auftraggeber: Abenteuer-TV, den Service-Sender und den Träume-Kanal.

Wenn du beim nächsten Mal ein Gespräch mit einem Taxifahrer startest, fragst du ihn nicht ob um diese Zeit immer so viel Verkehr ist, sondern versetzt dich in eine der drei Fernsehsender-Rollen. Beim Abenteuer-TV geht es darum deinem Gegenüber spannende Geschichten zu entlocken. Du könntest den Taxifahrer also beispielsweise nach seiner aufregendsten Fahrt fragen.

Der Klügere denkt nach - Reporter

Beim Service-Sender geht es darum von dem reichen Erfahrungs- und Wissensschatz des Anderen zu lernen. In unserem Beispiel könntest du fragen: „Angenommen, Sie wären selbst Taxigast – woran würden Sie merken, ob der Fahrer gut ist?“ oder „Manchmal finde ich es sehr schwer ein Taxi zu bekommen, etwa bei Feierabend oder Blitzeis – haben Sie als Insider einen Tipp, wie es am schnellsten klappt?“

Der Träume-Kanal ist sicherlich der persönlichste, aber auch hier kannst du dem Taxifahrer spannende Fragen stellen, wie zum Beispiel „Wollten Sie als Kind schon Taxifahrer werden? Oder welcher andere Traum hat Sie geleitet?“ oder „Was würden Sie am liebsten tun, wenn Sie heute den ganzen Tag frei zur Verfügung hätten?“.

 

Die 10 wichtigsten Fragen deiner Zuhörer

Kennst du die Situation, wenn du vor einer größeren Gruppe von Zuschauern sprichst und in die Runde schaust? Sobald du jemanden entdeckst, der dir gelangweilt vorkommt, wandert dein Blick immer wieder zu ihm zurück um zu schauen, ob du ihn mittlerweile überzeugen konntest oder ob er schon eingeschlafen ist.

Der Autor empfiehlt sich in solchen Augenblicken nur auf die zu konzentrieren, die dir an den Lippen hängen und begeistert zuhören. Egal wie groß oder klein die Gruppe ist, es wird immer Zuschauer geben, die gerade andere Probleme haben und sich nicht auf deinen Vortrag einlassen möchten.

Wenn du dich aber auf die Gruppe der Wohlgesonnenen fokussierst, wird dadurch die Qualität deines Vortrags steigen und somit gelingt es dir vielleicht sogar, den einen oder anderen Gelangweilten zu überzeugen.

Um die Zahl der geistig Abwesenden möglichst gering zu halten, hat Wehrle einen weiteren guten Tipp. Versuche vor einem Vortrag herauszufinden, was die 10 wichtigsten Fragen deiner Zuhörer sind. Verlass dich dabei nicht nur auf dein Bauchgefühl, sondern frage vorab bewusst bei (potenziellen) Zuhörern nach und werte die gesammelten Fragen und Antworten aus.

 

Die schönsten Tore fallen in der Nachspielzeit

Wie oben erwähnt, widmet Martin Wehrle ein eigenes Kapitel dem Thema „Meetings und wie man sich hier als Introvertierter behaupten kann“. Genauso wie beim Fußball angeblich das Team überlegen ist, das die höhere „Ballbesitz-Quote“ hat, legen Schwätzer in Meetings viel Wert auf Wortbesitz. Aber am Ende zählt doch nur das Ergebnis, oder?

Hierzu sind im Buch zahlreiche Tipps enthalten, wie es dir gelingen kann vor und nach solchen Meetings, durch bilaterale Gespräche mit deinen Kollegen und deinem Chef, zu punkten um nicht aufgrund deiner Schüchternheit im Meeting übergangen zu werden.

Was, wenn du jetzt aber das ganze Meeting still beobachtest und kurz vor Schluss das Kartenhaus, welches der Schwätzer im Team so mühsam aufgebaut hat, mit zwei einfachen Sätzen einreißt?
Je nachdem wie angriffslustig dein Gegenüber ist, kann es durchaus passieren, dass er dir entgegnet: „Erst redest du eine Dreiviertelstunde keinen Ton. Und dann meldest du dich und weißt alles besser. Das kann ich nicht ernst nehmen.“

Hierzu hat Wehrle im „Anti-Schwätzer-Training“ zahlreiche Antworten parat. Eine davon hat mir besonders gut gefallen: „Manchmal fallen die schönsten Tore eben in der Nachspielzeit. Lass uns über den Inhalt meines Beitrags sprechen.“

 

3) Fazit zu Der Klügere denkt nach

Schlagfertigkeit besteht nur zu zehn Prozent aus Spontaneität und zu 90% aus guter Vorbereitung.

Dieses Zitat aus dem Buch fasst es meiner Meinung nach sehr gut zusammen. Das Buch Der Klügere denkt nach wird keine Wunder bewirken und du wirst auch nicht vom Introvertierten zur Rampensau mutieren.

Aber wenn du die darin enthaltenen Übungen machst und dann den Mut aufbringst, sie auch in der Praxis anzuwenden, bin ich mir sicher, dass du deine Schlagfertigkeit und damit auch dein Selbstbewusstsein steigern kannst und sich somit die Lektüre der 370 Seiten lohnt.

Besonders gut hat mir gefallen, dass es eben kein Ratgeber ist, der dir sagt, was du alles tun musst um extrovertierter zu werden und dann erfolgreich zu sein. Im Gegenteil die Kernaussage ist „Bleib so wie du bist und konzentriere dich auf deine Stärken!“.

Wenn du dich in der Zielgruppe des Buches siehst oder introvertierte Mitarbeiter in deinem Team hast, die du gerne besser verstehen würdest, schau dir unbedingt das Buch Der Klügere denkt nach an!

Viel Spaß beim Lesen

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