Deep Work

Deep Work

Diese Woche habe ich wirklich jede einzelne Seite des Buches Deep Work (auf deutsch „Konzentriert arbeiten“) von Cal Newport genossen. Es ist ein Produktivitätsratgeber, der völlig zu Recht weit oben in den weltweiten Bestsellerlisten steht.

Im Kern geht es darum, dass du der Beste in deinem Bereich sein musst, um erfolgreich zu sein und darum, wie du dort hinkommen kannst. Dies fasst ein Satz zu Beginn des Buches sehr gut zusammen:

Eine Abfolge von mittelmäßigen Gesangsdarbietungen führt in der Summe nicht zu einer einzelnen herausragenden Leistung!

 

Lass dich inspirieren!

Kurze Summary

„Deep Work“ definiert Newport folgendermaßen: berufliche Aktivitäten, die in einem Zustand ablenkungsfreier Konzentration ausgeübt werden und deine geistigen Kapazitäten an ihre Grenzen bringen. Diese Leistung schafft neuen Wert, verbessert deine Fähigkeiten und ist schwer zu kopieren.

Als Gegenteil definiert er „Shallow Work“:  Kognitiv anspruchslose, logistikorientierte Aufgaben, die häufig unter Ablenkung durchgeführt werden. Diese Tätigkeiten schaffen tendenziell nicht viel neuen Wert in der Welt und sind leicht zu kopieren.

Buchcover Deep WorkWürdest du auch unterschreiben, dass du den Großteil deines Tages mit zweiteren Aufgaben verbringst und dich häufig ablenken lässt? Dadurch, dass immer mehr Menschen sogenannte Wissensarbeiter sind und wir, im Vergleich zu handwerklichen Berufen, Fortschritte und Ergebnisse nicht täglich sehen können, ist die wirkliche Produktivität schwer messbar geworden.

Aus diesem Grund dient heute die Geschäftigkeit als Stellvertreter für Produktivität. Wir denken, dass Menschen, die blitzschnell auf E-Mails antworten und auch abends um 23 Uhr noch erreichbar sind, die produktiveren Kollegen sind. Diese These widerlegt Newport in zahlreichen Kapiteln und bezieht sich dabei auf verschiedene Studien. Diese belegen, dass selbst Menschen mit viel Übung (so wie er) maximal 4 Stunden pro Tag hoch konzentriert arbeiten können.

Die übrige Zeit des Tages benötigt der Kopf um Dinge zu verarbeiten und sich zu entspannen. Ähnlich wie im Buch Die Macht der Disziplin, das ich vor einigen Wochen vorgestellt hatte, beschreibt er die Konzentration als einen Muskel, der im Laufe des Tages durch Beanspruchung ermüdet.

 

4 verschiedene Philosophien

Insgesamt stellt er vier verschiedene Philosophien des „Deep Work“ vor, die es dir ermöglichen sollen diese Form der Konzentration in dein Leben zu integrieren, abhängig davon welchem Beruf du nachgehst.

Er beginnt mit der radikalsten Philosophie, bei der er empfiehlt sich völlig von sozialen Netzwerken zu verabschieden und alle weiteren Ablenkungen dauerhaft auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Da dies für viele von uns schier unmöglich erscheint, schlägt er Variante 2 vor, bei der man sich mehrere Wochen im Jahr von der Außenwelt zurückzieht, bspw. in eine kleine Berghütte, um dort konzentriert seine wichtigsten Aufgaben zu erledigen.

Die dritte (und etwas realistischere Idee) ist sich täglich 1-2 Stunden zu nehmen in denen man für niemanden erreichbar ist und sich mit seiner ganzen Aufmerksamkeit einer wichtigen Fragestellung widmet. Und last but not least präsentiert er die Königsklasse, nämlich sich während des Tages immer wieder kurze Abschnitte zu nehmen, in denen man jegliche Ablenkung ausschaltet. Diese Variante erfordert jedoch, dass man sich innerhalb kurzer Zeit voll konzentrieren kann und ist eher für in diesem Feld trainierte Personen geeignet.

Du hast dich vermutlich gefragt: „Ok, aber welche Aufgaben soll ich in dieser Deep Work-Phase denn jetzt erledigen?“ Wie in fast jedem guten Business-Ratgeber, widmet auch Cal Newport wieder einige Seiten dem Thema „Ziele“. Denn natürlich solltest du deine volle Aufmerksamkeit dazu nutzen deinen allerwichtigsten Zielen näher zu kommen. Seine Empfehlungen zur Definition der Ziele sind, wie das gesamte Buch, durchaus lesenswert!

 

Interessante Denkanstöße aus „Deep Work“

Theorie des unbewussten Denkens

Zwischen den Deep Work Phasen empfiehlt der Autor ausgiebige Pausen einzulegen. Er bezieht sich dabei auf eine Studie des niederländischen Psychologen Dijksterhuis: Zwei Teams erhielten zahlreiche Informationen für eine komplexe Entscheidung im Hinblick auf einen Autokauf.

Die erste Gruppe sollte die Informationen überdenken und dann die Entscheidung treffen. Die zweite Gruppe wurde durch kurze Rätsel abgelenkt, nachdem sie die Informationen erhalten hatte, und sollte dann spontan eine Entscheidung treffen.

Und rate, welche Ergebnisse sich als die besseren herausstellten? Genau, die der zweiten Gruppe. Deswegen wollen wir vor wichtigen Entscheidungen vermutlich oftmals noch „eine Nacht darüber schlafen“.

Maßgeblich positiver Effekt der Tools

Nur um das klar zu stellen: Newport ist kein Feind der sozialen Netzwerke oder neuen Kommunikationsmedien wie Mails und Chats. Er stellt lediglich die berechtigte Frage „Hat die Verwendung dieser Tools einen maßgeblichen Effekt auf die Erreichung deiner Ziele?“.

Diese Frage werden einige Personen sicherlich mit „Ja“ beantworten, die bspw. mit Affiliate-Anzeigen über Facebook ihr Geld verdienen. Wenn du dir diese Frage aber ehrlich stellst, wird es dir vielleicht wie mir ergehen und du bemerkst, dass ein Großteil der auf sozialen Medien verbrachten Zeit dich deinem Ziel keinen einzigen Schritt näher bringt.

Vielleicht hast du meine Summary zum Buch Magic Cleaning gelesen. Marie Kondo schlägt hier eine Einpackparty vor, bei der man alle Gegenstände in Kartons packt und nacheinander nur diejenigen wieder hervorholt, die man wirklich benötigt. Genauso schlägt Newport vor, 30 Tage lang die sozialen Medien ruhen zu lassen. Du musst dich nicht mit lautem Getöse verabschieden und deinen Account löschen, sondern einfach einmal versuchen dich 30 Tage nicht einzuloggen.

Danach kannst du dann überlegen, welcher Kanal dir wirklich gefehlt hat und welchen du wieder reaktivieren möchtest.

Wie lange würde es dauern, diese Aufgaben von einem Absolventen erledigen zu lassen?

Eine weitere sehr spannende Frage bei der Erledigung von Aufgaben finde ich folgende: „Wie lange würde es dauern (in Monaten), um einen intelligenten frisch gebackenen Hochschulabgänger, ohne spezielle Ausbildung, in meinem Bereich so einzuarbeiten, dass er diese Aufgabe erfüllen könnte?“

Wenn du dir bei der nächsten Priorisierung pro Aufgaben zwei Minuten Zeit nimmst um diese Frage zu beantworten, stellst du vermutlich fest, dass du einen Teil deiner Aufgaben lieber delegieren solltest um dich auf die Aufgaben zu konzentrieren, bei denen ein Absolvent vielleicht 5-6 Jahre bräuchte um auf dein Niveau zu kommen. Denn das sind die Aufgaben, die dich von anderen unterscheiden und mit denen du einen Mehrwert stiften kannst!

Effiziente Bearbeitung von E-Mails​

Du kennst vermutlich die folgende Art von E-Mails: „Es war schön, Sie letzte Woche kennen zu lernen. Einige Themen würde ich gerne noch einmal mit Ihnen vertiefen. Hätten Sie Lust auf einen Kaffee?“

Diese Sorte Mails führen zu einem Ping-Pong-Spiel, das sich über 10 Nachrichten erstrecken kann, bevor man endlich einen finalen Termin und Ort gefunden hat. Hierfür gibt es zwei Lösungen: 1. Telefonhörer in die Hand nehmen und anrufen oder 2. eine kurze und prägnante E-Mail als Antwort schreiben.

In beiden Fällen solltest du dir aber vorher folgende Frage stellen: „Was ist das in dieser Nachricht angesprochene Projekt, und welches ist der effizienteste Ablauf, um dieses Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen?“

In diesem Fall wäre das Projekt die Terminvereinbarung und der effizienteste Weg ist zwei konkrete Vorschläge zu unterbreiten und den Absender zu bitten einen Termin davon auszuwählen und kurz zu bestätigen.

Fazit

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich tatsächlich das Gefühl im Flow zu sein. Vielleicht kennst du das Buch und den Begriff „Flow“. Dieser Zustand wird in Phasen des Deep Works erreicht und wurde schon 1990 im gleichnamigen Buch beschrieben. Generell zitiert Newport viele Klassiker und Studien zur Produktivität.

Ein auch für mich neues Buch war zum Beispiel ein Produktivitätsratgeber aus dem Jahr 1908 von Arnold Bennett: „How to live on 24 hours a day“.

Alles in allem ist das Buch „Deep Work“ definitiv ein „Must read“ für alle Wissensarbeiter. Es enthält neben den bereits genannten noch unzählige weitere Denkanstöße und ich werde es nach dem Verfassen dieser Summary gleich noch einmal lesen.

Viel Spaß beim Lesen
Dennis

Deep Work: Rules for Focused Success in a Distracted World
40 Bewertungen
Deep Work: Rules for Focused Success in a Distracted World
  • Cal Newport
  • Herausgeber: Piatkus
  • Taschenbuch: 304 Seiten

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